Janick Hofmann, Carsten Staubus und Moritz Neebe (v.l.) gehören zu den DBM-Mitarbeitern, die die Schlaglöcher in Marburgs Straßen verfüllen.© Lena-Johanna Schmidt, Stadt Marburg
Normalerweise sind zu dieser Jahreszeit ein bis zwei Teams vom DBM unterwegs, um Schlaglöcher zu stopfen. Doch in diesem Jahr ist es anders: Seit Ende des Winterwetters rücken täglich fünf Besatzungen aus, die die Schlaglöcher in Marburger Straßen verfüllen. Ihr Auftrag: alle Straßen innerorts, für die die Stadt Marburg verantwortlich ist, abfahren und bei Bedarf beseitigen.
Darüber hinaus gibt es immer wieder Aufträge von den Straßenkontrolleur*innen der Stadt, die als Unfallgefahr unverzüglich erledigt werden müssen. Auch Hinweisen der Polizei oder von Bürger*innen über den Mängelmelder wird schnellstmöglich nachgegangen.
Denn Schlaglöcher können nicht nur Schäden an Fahrzeugen verursachen. Sie sind auch eine ernsthafte Gefahr für alle, die mit dem Fahrrad unterwegs sind – vor allem, wenn sie mit dem Vorderrad in ein tiefes Schlagloch geraten. Im Bereich von Zebrastreifen oder Ampel-Übergängen können Schlaglöcher auch das Queren einer Straße zu Fuß behindern.
Große Schlaglöcher kosten mehr Zeit
Da der Stadt Marburg die Verkehrssicherungspflicht obliegt, ist es auch in ihrem Interesse, dass die betroffenen Straßen zügig ausgebessert werden. Priorität haben dabei die größeren und tieferen Schlaglöcher, durch die eher Schäden für die Bürger*innen und Fahrzeuge zu befürchten sind.
Die klassischen Schlaglöcher sind zwischen 10 und 30 Zentimeter breit und können vergleichsweise schnell ausgebessert werden. Oft reicht schon eine Flachschaufel Asphalt, der mit einem Handstampfer verdichtet wird.
Die derzeitige Herausforderung ist jedoch eine andere. „Es gibt aktuell viele Schlaglöcher, die weitaus größer sind und wegen des Mehraufwands auch umso mehr Zeit in Anspruch nehmen“, erläutert Janick Hofmann. Er gehört zu der „Task Force“, die sich aktuell täglich um Marburgs Straßen kümmert. Bislang haben sie in diesem Jahr bereits mehr als 650 Schlaglöcher verfüllt.
Niederschlag, Frost und mechanische Belastung
DBM-Mitarbeitende bessern Schlaglöcher in Marburgs Straßen aus.© Lena-Johanna Schmidt, Stadt MarburgGrund für die zahlreichen und teilweise extrem großen Schlaglöcher ist die Witterung während der Wintermonate. „Der Winter war nicht nur während der außergewöhnlichen Schneeereignisse besonders. Die Kombination aus Niederschlägen und mehrfachem starken Frost hat jetzt ein besonderes Nachspiel mit überdurchschnittlich vielen Schlaglöchern in Marburgs Straßen“, erklärt Stadträtin Kirsten Dinnebier.
DBM-Mitarbeiter Moritz Neebe führt diesen Zusammenhang näher aus: „Das Niederschlagswasser unter der Asphaltdecke dehnt sich während jeder Frostperiode aus. Durch den starken Wechsel von starkem Frost und Tauwetter wird der Asphalt letztendlich sozusagen gesprengt.“ Die mechanische Belastung durch den notwendigen Einsatz von Räumschilden und Schneeketten sowie Salz im Rahmen des Winterdienstes habe sein Übriges getan.
Erneutes Aufbrechen verhindern
Manche der entstandenen Löcher im Asphalt sind bis zu zwei Quadratmeter groß, also etwa so groß wie zwei Europaletten nebeneinander. Um das sauber zu „flicken“ und ein schnelles, erneutes Aufbrechen zu verhindern, wird mit Hilfe einer Motorflex aus dem Schlagloch mit unregelmäßigen Kanten ein Rechteck mit geraden Rändern ausgeschnitten. Die Ränder werden mit einem Dichtband ausgekleidet. Das verbindet den alten Asphalt nahtlos mit der neuen Füllung und verhindert das erneute Eindringen von Wasser, erläutert Neebe.
Wenn er und seine Kollegen ausrücken, um die Löcher zu stopfen, muss es schnell gehen, denn die Arbeiten erfolgen oft im laufenden Straßenverkehr. Hofmann und Neebe bringen auf den Punkt, was sich viele ihrer Kollegen dabei von den fahrenden Verkehrsteilnehmer*innen wünschen: „Etwas mehr Rücksicht und Geduld.“
Schnell muss es auch gehen, weil der 170 Grad heiße Asphalt im Thermobehälter auf der Ladefläche zügig verarbeitet werden muss. Die reparierte Fläche ist sofort wieder befahrbar. Anders sieht es beispielsweise an Bushaltestellen aus. Durch das Bremsen und Anfahren der Busse wird der frische Asphalt direkt wieder herausgeschleudert, erklärt DBM-Mitarbeiter Carsten Staubus. Für Ausbesserungen an solchen Stellen sind kurzzeitige Sperrungen nötig. Klar ist: Mit dem Verfüllen der Schlaglöcher werden Gefahrenstellen kurzfristig beseitigt und Straßen schnell wieder gut befahrbar. Dieses „Pflaster“ hält zwar nicht für mehrere Jahre. Doch insbesondere auf Straßen, für die in absehbarer Zeit eine grundhafte Sanierung geplant ist, ist diese günstige und schnelle Reparatur-Variante auch gleichzeitig die wirtschaftlichste.
Für die Sanierung der Straßen will die Stadt Marburg in den nächsten zehn Jahren im Schnitt rund 15 Millionen Euro pro Jahr investieren – in 40 Kilometer Straßennetz. Dafür hat die Stadtverordnetenversammlung ein Straßenkataster beschlossen, das Straßenbauprogramm für die grundhafte Erneuerung verkehrswichtiger innerörtlicher Straßen. Es ist auf der Internetseite der Stadt Marburg im Bereich der Beschlussvorlagen unter der Nummer VO/2911/2025 zu finden: https://www.marburg.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=1004534&refresh=false.
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